Die Anpassungsfähigkeit entwickeln.

Mit dem analytischen Unterricht hat der Schüler im Westen eine viel mehr passive Haltung als im Osten mit dem synthetisierenden Unterricht. Die Bewegungen sind hier analysiert, zerlegt, fast von dem Lehrer volladaptiert. Der Schüler braucht nur nachzumachen, was ein anderer an seiner Stelle erlebt hat, so sind die Bewegungen viel weniger lebhaft, mehr stereotyp, aber sie können sie schneller lernen und in den Prüfungen schneller Erfolg haben, sie sind trotzdem die einzige Vorteile, die sie haben. Wenn solch ein Unterricht in einem Klub gelehrt ist, mit 20 Schüler, die arbeiten, dann werden wir dieselbe Technik 20 Male realisiert sehen, als ob die Schüler die Klone des Lehrers wären. Das ist für mich als Lehrer nicht wirklich mein Ziel…

Mit der Erfahrung lernen wir, dass jeder Augenblick des Lebens einzig ist und nie zweimal sich wiederholt. So ist jeder Angriff einzig und hängt von vielfachen Faktoren ab. Als solches braucht er eine einzige dazu passende Antwort. Also muss eine Technik kein starres Schema sein, das wir für einen identischen Angriff stereotyp nachahmen, sondern die richtige Antwort auf eine gegebene Lage.

Das ist der Grund, weshalb das Ziel des östlichen traditionellen Unterricht ist, die Bewegung lebhaft zu machen, die Kreativität und die Anpassungsfähigkeit des Schülers zu entwickeln. Der Schüler ist in eine Lage gebracht, wo er nicht nachmacht, was der Lehrer gemacht hat, aber wo er fähig ist, dem Angriff sich anzupassen.

Also gibt der Lehrer wenig Information über Einzelheiten, wie die Fuss- oder Fingerhaltung, aber er wird eher die Begriffe : Entfernung, Stellung des Mittelpunktes, Rhythmus, Atmung, Fähigkeit dem anderen zuhören betonen. Der Schüler ist ermuntert, zu fühlen mehr als zu verstehen. Und so ist er dazu gebracht, die richtige Natur des Aikidos zu entdecken, deren Meister Nocquet mit diesen Worten sprach : “ Ich mache keine Bewegung, die Bewegung macht sich durch mich, unbemerkt, spontan, wie ein kleines Kind einen Ball fallen lässt.”