Eine Lehre, die verunsichert

Eine Sache ist paradox… Eine grosse Mehrheit der hohen Dienstgrad war am Anfang dieses Jahrhunderts mehr oder weniger Schüler von Meister Nocquet in den 60er und 70er Jahren, ich möchte vielleicht 90% sagen. Und da 30 Jahre später war nur eine Handvoll übrig… Was passierte so inzwischen ? Das ist einfach… Viele haben ihn verlassen. Und oft aus demselben Grund : alle diejenigen, die Meister Nocquet VERSTEHEN versuchten, waren schnell verwirrt. Und wenn wir die Vorherrschaft des Intellekts in unserer westlichen Gesellschaft wissen, ist dieser Schülerverlust nicht überraschend. Die einzige Weise, sich Meister Nocquet zu nähern,  war ihn zu LIEBEN. Sein Herz öffnen, nicht urteilen, nicht denken. Die Rede von Meister Nocquet verunsicherte den Geist, aber das war nebenbei tief zen. Hat der Meister ein Buch, dessen Titel « Zen und Aiki sind eins » nicht geschrieben ? Seine Rede war symbolisch, wir müssten über die Worte gehen, und auf den scheinbare Widerspruch sich nicht beschränken, denn der Meister konnte völlig euch etwas und sein Gegenteil gleichseitig sagen und die beide waren richtig. Und es gab auch die Worte, die er sagte, ohne daran zu glauben, nur um auf der Schüler Stand sich zu setzen… Ich erinnere mich an einen Unterricht, in dem er uns lange erklärt hat, dass es sehr wichtig war, dass das linke Bein vorn war, wenn man jemanden herausschleuderte. Dann nimm er seinen Uke, er machte ihn mit dem linken Bein vorn gewissenhaft fallen… und dann beschleunigte er den Rhythmus, tanzte, umherwirbelte… und endlich das andere Bein vorn stellen… Wir sass in Seiza mit Hervé, und solch ein Missgeschick erfreute uns immer, denn wir wussten genau, dass für den Meister die Stellung der Beine wirklich ohne Wichtigkeit war, aber wir stellten uns die Verwirrung der Anfängers (gierig nach Orientierungspunkte) vor !

Ein anderer Grund muss auch gegeben sein : niemand konnte wie Meister Nocquet seine schwarze Gürtel unscheinbar behalten. Wie viele untereinander in der Mitte der Tatamimatte in einem internationalen Praktikum allein waren und von den bissigen Kommentaren Meister Nocquet fest kritisiert waren. Meister Nocquet war sehr gefährlich, um das Ego zu brechen.. Etwas hat mir einen bleibenden Eindruck in meinen ersten Praxisjahren hintergelassen ; ich hatte ein paarmal bemerkt, dass sobald ein Schüler seinen dritten Dan hatte, streite er sich mit Meister Nocquet. Es beschäftigte mich viel, und ich sah das Datum meines dritten Dan mit Angst ankommen… glücklicherweise passierte alles gut für mich…genauer gesagt : fast, denn bei der Prüfung war mein Meniskus gebrochen, aber das ist eine andere Geschichte…